ELVIRA & HANS G.

PFAFF

Achtfache Kanada Buchautoren,
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Aktualisiert: vor 5 Tagen

Mittwoch, 4. Dezember 2019 (Ushuaia) 

54°48,6′ S068°18,08′ W

​Auszüge Logbuch NAT1919 von Lektor Prof Dr. Ingo Heidbrink.

Fotos von E. & HG. Pfaff für Hapag-Lloyd Cruises.


Nach einer langen Anreise ist schließlich Ushuaia erreicht und die HANSEATIC nature wartet bereits an der Pier. Während die Gäste an Bord kommen werden noch die letzten Vorbereitungen für die bevorstehende Reise getroffen und vor allem wird Diesel gebunkert, um für die anstehende lange Reise auch wirklich ausreichend mit Brennstoff versorgt zu sein. Hierbei handelt es sich ausschließlich um Diesel und keinesfalls um Schweröl, dessen Einsatz in der Antarktis auch gar nicht zulässig wäre, da es gilt, einen möglichst wenig umweltbelastenden Schiffsbetrieb sicher zu stellen. 


An Bord heißt es zunächst, die Kabinen zu beziehen und das Schiff kennen zu lernen, oder auch von Deck aus das Panorama auf die Stadt zu genießen. Ushuaia, das ist nicht nur die südlichste argentinische Stadt, sondern auch die südlichste wirkliche Stadt der Welt. Einzig das chilenische Puerto Williams am Südufer des Beagle Kanals liegt noch ein klein wenig südlicher, aber Puerto Williams ist noch immer primär eine Militärsiedlung und keine wirkliche Stadt auch wenn der Anteil der zivilen Bevölkerung in den letzten Jahren deutlich angestiegen ist. Die komplizierte Geopolitik der Region zeigt sich auch gleich eindrucksvoll in Ushuaia, das aus argentinischer Sicht nicht nur die Hauptstadt der südlichsten Provinz des Landes ist, sondern auch diejenige der Islas Malvinas, oder eben der Falklandinseln, und des argentinischen Antarktisgebietes. Aus britischer oder chilenischer Sicht sieht dies natürlich völlig anders aus und die Falklandinseln sind aus dieser Perspektive eindeutig britisch und die Antarktis entweder umstrittenes Gebiet oder ausschließlich den Regelungen des Antarktisvertrages unterliegendes internationales Gebiet. 

Um 18:15 Uhr folgt die obligatorische Sicherheitsübung für sämtliche Passagiere und dann heißt es zum ersten Mal das gastronomische Angebot des Schiffes zu genießen. Um 20:00 Uhr ist es dann so weit, dass es Leinen Los heißt und die HANSEATIC nature Kurs auf See nimmt. Doch bevor die offene See erreicht ist gilt es noch mittels der Hilfe eines Lotsen, die Passage durch den Beagle Kanal zu meistern. Sowohl auf der argentinischen Uferseite an Backbord wie auch der chilenischen an Steuerbord zeigen sich die schneebedeckten Berge des südlichsten Teils Südamerikas und vom Ufer bis zur Baumgrenze in ca 600m Höhe die letzten Wälder, die für die kommende Zeit der Reise zu sehen sein werden. Ganz gleich ob in der Bar, auf Deck oder in der Kabine – ein langer Tag geht dem Ende entgegen und die Expedition der HANSEATIC nature hat begonnen. 

​Unmittelbar nach dem Frühstück steht bereits der erste Punkt auf dem Tagesprogramm an: Die Ausgabe der Expeditionsparkas und der Gummistiefel. Das Pooldeck der HANSEATIC nature verwandelt sich in einen Anproberaum und nach recht kurzer Zeit verfügen alle Passagiere über Expeditionsparkas und Gummistiefel in den richtigen Größen. 

Nachdem die richtige Ausrüstung fuer die Anlandungen der nächsten Tage jetzt bereitsteht stellt Expeditionsdirektorin Nadine Armbrust die Mitglieder des Expeditionsteams vor, die sich in ganz ver- schiedenen Positionen darum kümmern werden, dass diese Reise ein unvergessliches Erlebnis werden wird. So werden die Experten nicht nur Vorträge aus ihren jeweiligen Spezialgebieten halten, sondern natürlich auch stets für Fragen an Land und an Bord ansprechbar sein. Zusätzlich zum Expeditionsteam werden auch die weiteren Mitglieder des Staff vorgestellt und somit sind die Gesichter, die sich in den kommenden Tagen immer wieder an verschiedensten Stellen des Schiffes zeigen werden, zumindest schon ein wenig bekannt. 

Das Schiff dampft dabei stetig weiter gen Osten während die See sich von ihrer für diese Region der Welt typischen Seite zeigt, so dass die HANSEATIC nature zumindest ein wenig in Bewegung gerät. Dank der Stabilisatoren bleibt die Bewegung jedoch in einem Bereich, der für die meisten Gäste an Bord keinerlei Probleme verursacht. 

In einem ersten Pre-Cap, also einer Vorschau auf den kommenden Tag, stellt Expeditionsleiter Dr. Arne Kertelhein die Planungen für den morgigen Tag vor und gibt Tipps, was es alles in Stanley, der Hauptstadt der Falklandinseln zu entdecken gibt. Um 10:45 eröffnet Sylvia Stevens das Vortragsprogramm dieser Reise mit ihrem Vortrag „Die Falklandinseln – Großbritanniens einsamer Vorposten“. 

Am Nachmittag sind die Experten auch erstmals in der Ocean Academy anzutreffen und erklären, wie die 24-Stunden täglich verfügbare Academy genutzt werden kann, um sich über das Fahrtgebiet zu informieren und ein breites Wissensangebot zu nahezu allen Fragen mit Bezug auf die von den Expeditionsschiffen der Hapag-Lloyd Flotte befahrenen Regionen der Erde zu erschließen. Natürlich steht ebenfalls das umfangreiche Wissen der Experten selbst zur Verfügung und so finden sich nach kurzer Zeit zahlreiche Gesprächsgruppen zusammen und vom Achterschiff aus wird fachkundig erläutert, welche Seevögel gerade dem Schiff folgen. 

Heike Fries hält am späten Nachmittag ihren Vortrag „Subpolare Traumstrände – Eine geologische Zeitreise zu den Ursprüngen der Falklandinseln“ und damit steht dem morgigen Besuch dieser Inseln nun wirklich nichts mehr im Weg, da jetzt auf jeden Fall eine ausreichende Wissensbasis vorhanden ist. Ob die bis heute seitens Argentiniens erhobenen Ansprüche auf die Islas Malvinas, wie die Inseln auf Spanisch bezeichnet werden, in irgendeiner Form gerechtfertigt sein mögen oder nicht ist vielleicht die einzige Frage, die während des Tages nicht hundertprozentig beantwortet werden konnte oder schlicht vom jeweiligen Standpunkt des Betrachters abhängt. Fakt ist, dass Großbritannien 1982 siegreich aus dem Krieg mit Argentinien um die Hoheit über die Insel hervorging. Fakt ist aber ebenso, dass die historischen Ansprüche Argentiniens in Nachfolge des spanischen Kolonialreiches ebenso wenig von der Hand zu weisen sind wie diejenigen Großbritanniens und damit die seitens der UN vorgeschlagene Namenskonvention Falklandinseln (Islas Malvinas) bzw. in spanischsprachigen Veröffentlichungen Islas Malvinas (Falklandinseln) vielleicht nicht die schlechteste Version ist, um über eine langfristige Zukunft der Inseln nachzudenken. 


Um 18:30 Uhr lädt Kapitän Natke zum traditionellen Kapitänscocktail am Beginn einer jeden Reise ein, und jetzt stellen sich auch die leitenden Offiziere des Schiffes vor. Danach heißt es den Abend zu genießen und sich auf den morgigen Besuch in Stanley vorzubereiten. 

Freitag, 6. Dezember 2019 (Stanley – Falklandinseln)

Gleich am frühen Vormittag steht für die HANSEATIC nature eine schwierige aber auch besonders schöne Passage auf dem Programm: die Passage der sogenannten Narrows, des Zugangs nach Port Stanley. Mit nur knapp 300 m Breite und einer Fahrrinnenbreite von gerade einmal 70 m sind die Narrows gerade an windigen Tagen eine Herausforderung für jedes auch nur etwas größere Schiff. Sobald die Engstelle passiert ist kann die HANSEATIC nature dann jedoch in einem der best geschützten Häfen des gesamten Südatlantiks vor Anker gehen. Kurz nach dem der Anker gefallen ist nimmt der erste Tender Kurs auf die Anlegebrücke und die Erkundung von Stanley, der Hauptstadt der Falklandinseln kann beginnen. Als ein besonderes Highlight hat das Team der HANSEATIC nature sich entschlossen, noch kurzfristig einen Shuttlebus nach Gypsy Cove zu organisieren und so kann zusätzlich zur Stadt auch noch eine der schönsten Buchten der gesamten Inselgruppe besucht werden. Hier brüten Magellanpinguine in Erdhöhlen direkt links und rechts des Weges und auch am Strand sind die Vögel in großer Zahl zu sehen. Ebenso sind aber auch die Zeugnisse zweier schwieriger Epochen der Geschichte der Falklandinsel hier zu finden. Eine verrostete Kanone aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges berichtet davon, dass selbst diese Inseln am Ende der Welt nicht von der größten Katastrophe des 20. Jahrhunderts verschont geblieben war und Warnschilder weisen eindringlich darauf hin, den Weg nicht zu verlassen, da noch immer einzelne Minen aus der Zeit des Falklandkrieges im Jahr 1982 sich in dem Gelände befinden könnten. Wie ernst diese Schilder gemeint sind, zeigt sich spätestens wenn man realisiert, dass die zwei Menschen, die sich im gesperrten Gebiet befinden, Minenräumer bei der aktiven Suche nach diesen noch immer tödlichen Hinterlassenschaften des Krieges sind. 

51°41,3 S 

057°50,2′ W

8 °C 

Sonnenaufgang: 04:29 

Sonnenuntergang: 20:56 

Bei der Erkundung der kleinen Stadt zeigt sich schnell, dass es sich um den vielleicht britischsten Ort auf der ganzen Welt handelt. Britische Fahnen wo man hinschaut und auch der ein oder andere nicht allzu dezente Hinweis darauf, wie hier von vielen Bewohnern über Argentinien gedacht wird. Im Museum des Ortes findet sich dann aber eine differenziertere Darstellung, die vor allem zeigt, was es bedeutete 1982 auf der Insel zu leben und im wahrsten Sinne des Wortes über Nacht realisieren zu müssen, dass aus dem verschlafenen Städtchen ein Kriegsschauplatz geworden war und auf einmal Panzer und Maschinengewehre im eigenen Vorgarten zu finden waren. Die weiteren Ausstellungen des sehenswerten kleinen Museums zeigen die Geschichte des Alltags auf der Insel, der Bedeutung der Inseln als Nothafen und Repara- turstandort für die Schifffahrt um Kap Hoorn und als Ausgangs-punkt für die Erschließung Südgeorgiens und der Antarktis. Als Historiker, der lange selbst in Museen gearbeitet hat und u.a. zur Funktion von Museen für ihre jeweiligen Gesell- schaften forscht, lässt es sich Ingo Heidbrink nicht nehmen, eine Führung im Museum anzubieten und eröffnet dabei die ein oder andere Perspektive auf ein Exponat, die sich vielleicht nur beim Lesen der Beschriftung nicht erschlossen hätte.

Für die Mitglieder des Hapag-Lloyd Cruises Club gibt es auch noch den traditionellen Club Cocktail, der allerdings ausnahmsweise nicht an Bord stattfindet, sondern im Globe, d.h. einem der typisch britischen Pubs der Insel. In den verschiedenen Läden der Stadt finden sich Pinguinsouvenirs in wirklich allen nur denkbaren Formen und wohl kaum ein Gast wird die Stadt verlassen, ohne zumindest eines dieser Souvenirs erworben zu haben. Der obligatorische Besuch bei der Post rundet für die meisten Gäste den Besuch der Hauptstadt der Falklandinseln ab oder aber es geht noch in eines der Cafés oder einen typischen britischen Pub. Die Crew der HANSEATIC nature nutzt dann auch noch 

die letzte Gelegenheit dieser Reise, um Frischvorräte für die Kombüse zu ergänzen, denn dank des zwar stets windigen aber doch recht milden Klimas gibt es auf den Falklandinseln selbst gewerblichen Gemüseanbau. 

Um 16:30 Uhr verlässt der letzte Tender die Landstation und die HANSEATIC nature nimmt erneut Kurs durch die Narrows, um in den kommenden zwei Tagen Südgeorgien anzusteuern. Das Wetter hat sich während des gesamten Besuches in seiner vielleicht typischsten Form für die Falklandinseln gezeigt, in dem es durchgängig windig war und ansonsten von Sonne über Regen bis Hagel alles dabei war. 

Zurück an Bord heißt es entweder zu entspannen oder auch eine heiße Dusche zu nehmen und dabei vielleicht auch ein wenig darüber nachzudenken, dass dieses ein Luxus ist, der keinesfalls für alle Seeleute, die den Hafen Stanley besuchen, selbstverständlich ist. So zeugen die Hinweise der katholischen Seemannsmission auf die Verfügbarkeit von Duschen an Land und vor allem die zugehörige Preisliste, die für die Besatzungen von Fischereifahrzeugen einen Rabatt von 50% auf den ohnehin niedrigen Preis einräumt, davon, wie es mit den Hygieneverhältnissen an Bord der die Inseln 

besuchenden Fischereifahrzeuge teilweise aussehen mag. Neben dem Tourismus ist die Fischerei bzw. der Verkauf von Fangquoten an oftmals asiatische Fischereiunternehmen eine der gegenwärtigen Haupteinnahmequellen der Insel während die ehemals ökonomisch wichtige Schafszucht bestenfalls noch eine untergeordnete Rolle spielt. 

Um 18:30 Uhr lädt das Expeditionsteam zu einem ersten Re- Cap ein und bietet noch einmal einen Rückblick auf den Tag in Stanley an und informiert über die ein oder andere Besonderheit, die vielleicht nicht jeder Gast gesehen haben mag, bzw. steht vor allem auch für Rückfragen aller Art zur Verfügung. 



Während die Überfahrt nach Südgeorgien jetzt begonnen hat, heißt es den Abend an Bord zu genießen und sich auf die eisige Welt Südgeorgiens und der Antarktis vorzubereiten. 

52°24,8′ S

051°27,3′ W

7 °C 

6 °C 

Sonnenaufgang: 03:56 

Sonnenuntergang: 20:33 

Bereits am ersten von zwei Seetagen auf dem Weg nach Südgeorgien zeigt sich der Südliche Ozean vielleicht von seiner typischsten Seite. Eine stetige lange Dünung von achtern, steifer Wind und alle Wetterarten von Sonne über Regen bis hin zu einzelnen kurzen Schneeschauern. Trotz des Schwells in Höhe von drei bis vier Metern liegt dieHANSEATIC nature vergleichsweise ruhig in der See, aber bewegt sich doch so viel, dass sich erahnen lässt, was es hieß, in diesen Gewässern in einer Zeit unterwegs zu sein, in der es noch keine automatisch geregelten Schlingerflossen gab und statt einer geschlossenen Brücke einen offenen dem Wetter ausgesetzten Steuerstand. 

Während das Schiff sich stetig seinen Weg in Richtung Osten bahnt verwandelt es sich fuer die Passagiere erneut in eine schwimmende Universität. Bereits am frühen Vormittag sind die Experten in der Ocean Academy zu finden und stehen für alle Fragen zu dem Seegebiet oder auch zu den in den kommenden Tagen zu besuchenden Inseln zur Verfügung. Um 10:00 Uhr beginnt Heike Fries das Vortragsprogramm des Tages mit ihrem Vortrag: „Das Dach des Ozeans: Geologie South Georgia, Hochgebirge im Südpolarmeer“. Bereits um 11:30 Uhr folgt ihr Sylvia Stevens mit dem Vortrag: „Südgeorgien – Das Kronjuwel“ und um 16:45 schließt Arne Kertelhein die Vortragsreihe mit deinem Vortrag: „Der legendäre „Boss“ – Shackleton’s Antarktisfahrten“ ab. Selbstverständlich ist am Nachmittag die Ocean Academy auch wieder besetzt und für die Gäste, die sich zwischen dem ganzen Wissensangebot auch einfach einmal entspannen oder verwöhnen lassen wollen, stehen selbstverständlich auch alle anderen Einrichtungen und Angebote an Bord zur Verfügung. Um 18:30 Uhr lädt die Besatzung der HANSEATIC nature all diejenigen Gäste zum Erstfahrer Aperitif ein, die sich zum ersten mal an Bord eines der Schiffe der Hapag Lloyd Flotte befinden und um 21:30 Uhr plaudern Expeditionsdirektorin Nadine Armbrust, Hoteldirektorin Tiziana La Rocca und Kapitän Thilo Natke noch ein wenig aus dem Nähkästchen und berichten über Fragen, wie solch eine Expeditionsreise überhaupt zu Stande kommt, welche Genehmigungen erforderlich sind oder auch wie es eigentlich mit der Proviantierung für solch eine Reise mit insgesamt über 300 Personen an Bord funktioniert. 

Insgesamt erscheint der Seetag am Abend wie im Fluge vergangen zu sein und doch ist es erst die Hälfte der Strecke bis Südgeorgien, was einem vielleicht einen Eindruck von den gewaltigen Dimensionen des Südlichen Ozeans geben mag oder auch davon, wie abgelegen Südgeorgien tatsächlich liegt, und dass es außer der mehrtägigen Schiffsreise auch im 21. Jahrhundert noch immer keinen anderen Weg gibt, auf diese Insel zu gelangen. 

Sonntag, 8. Dezember 2019 (auf See / Shag Rocks) 

53°26,4′ S

042°40,8′ W

4 °C 

Sonnenaufgang: 03:26 

Sonnenuntergang: 20:14 

Am Vormittag zeigt sich der Südliche Ozean von einer seiner schönsten Seiten. Blauer Himmel und eine leichte Dünung lassen nahezu den Eindruck aufkommen, dass sich die HANSEATIC nature in der Südsee und nicht im Südlichen Ozean befinden würde. Bei einem Gang auf die Außendecks wird jedoch schnell klar, dass die Temperaturen in diesen beiden Meeren auch bei schönem Wetter recht unterschiedlich sind. 

Bereits gestern Abend gegen 22:00 Uhr wurde die sogenannte Antarktische Konvergenz, also die naturräumliche Grenze der Antarktischen Gewässer passiert. Auch wenn diese Grenze nicht direkt ersichtlich ist zeigt sie sich gerade im Bereich der Wassertemperatur deutlich. So betrug die Wassertemperatur nördlich der Konvergenz noch fünfeinhalb Grad Celsius, sank dann aber während der Passage durch die Konvergenz innerhalb von nur einer Stunde auf zweieinhalb Grad Celsius ab. Kurz gesagt, die HANSEATIC nature hat die Antarktis zumindest in naturräumlicher Perspektive erreicht. 

Um 10:00 Uhr steht dann ein wenig Pflichtprogramm an. Zunächst die Einweisung in das Verhalten bei der Nutzung der Zodiac-Boote. Diese schnellen und wendigen Boote werden in den kommenden Tagen zu einem der wichtigsten Werkzeuge der Besatzung werden, um die Gäste sicher an Land zu bringen oder während einer Zodiac-Cruise in unmittelbare Nähe besonders schöner Stellen der Region zu gelangen. 

Unmittelbar im Anschluss erläutert Expeditionsleiter Arne Kertelhein die Spielregeln für den Besuch Südgeorgiens und der Antarktis im sogenannten IAATO Briefing. Viele dieser Regeln sind für jeden Menschen, der einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit der Natur gewohnt ist, eine Selbstverständlichkeit, doch ist es gut, noch einmal bewusst an diese erinnert zu werden, da manchmal auch Kleinigkeiten einen großen Unterschied machen Können. Andere Verhaltenshinweise sind jedoch mit Sicherheit für fast alle Gäste völlig neu und besonders wichtig, da die Tierwelt der Antarktis besonders sensibel ist und vor allem keine Menschen kennt. Somit sind Mindestabstände und die weiteren vorgestellten spezifische Verhaltensweisen nicht nur verbindlich vorgeschrieben, sondern auch schlicht und einfach notwendig. Natürlich geben die Experten und die weiteren Mitglieder des Expeditionsteams auch in den kommenden Tagen gerne jederzeit Auskunft zu diesen Verhaltensregeln und werden schlimmstenfalls auch einmal den ein oder anderen Gast an diese erinnern – hoffentlich stets bevor es zu einer entsprechenden Situation kommt. 

Mindestens genau so wichtig wie die Informationen zum richtigen Verhalten in den Zodiacs, auf Südgeorgien und in der Antarktis ist die unmittelbar nach dem IAATO Briefing folgende Bio- Security Inspection. Eingebrachte Pflanzen, Samen und Tiere oder eben vereinfacht invasive Arten sind eine der größten Gefährdungen für die empfindlichen Ökosysteme dieser Region der Erde. Auch wenn es eher unwahrscheinlich ist, dass ein Tier als invasive Art von einem Expeditionskreuzfahrtschiff in diese Region verbracht wird, sind Pflanzen und Samen aller Art eine äußerst reale Gefahr. Gerade in den Klettverschlüssen der Spritzwasserhosen und Jacken setzen sich gerne Pflanzensamen fest und, in der ein oder anderen Tasche findet sich auch ebenso gern pflanzliches Material oder auch nur der Sand vom letzten Strand. Um sicher zu stellen, dass all dies nicht an Land gelangt, wird die gesamte Ausrüstung kontrolliert und mit den bereitstehenden Staubsaugern, Bürsten und Büroklammern können auch die letzten Mitbringsel aus anderen 16 Regionen entfernt werden, so dass einem ersten Landgang am kommenden Tag auch wirklich nichts mehr entgegen steht. Mit fünf Staubsaugern und dem gesamten Expeditionsteam im Hanse Atrium ist die Bio-Security Inspection bzw. dass große Saubermachen dann auch in kurzer Zeit erledigt und die Bio-Security Declaration kann von jedem Gast mit gutem Gewissen unterschrieben werden. Die kleine Unterbrechung durch die erste Sichtung von Buckelwalen während dieser Reise tut der Effizienz der Bio-Security Inspection keinerlei Abbruch, bietet aber einen willkommene Abwechslung und vielleicht auch einen indirekten Hinweis darauf, dass es sich bei der Inspection keinesfalls nur um eine rein administrative Formalie handelt, sondern es in dieser Region der Erde eine wirklich besondere und schützenswerte Flora und Fauna gibt. 

Kurz bevor gegen 14:00 Uhr die Shag Rocks erreicht werden zeigen sich die ersten Wale der Reise. Während zunächst nur vereinzelte Blase zu sehen sind, zeigt sich schnell, dass es eine größere Gruppe Tiere ist, die hier im krillreichen Auftriebsgebiet zum Fressen versammelt haben. Dank der günstigen Wind- und Seegangsbedingungen kann Kapitän Natke die HANSEATIC nature bis auf wenige hundert Meter an die Shag Rocks heran manövrieren, so dass die zahlreichen auf den drei Felsen brütenden Blauaugenkormorane von den Außendecks und insbesondere vom nature walk am Bug des Schiffes gut beobachtet werden können. Der strahlend blaue Himmel und der Sonnenschein tragen ein Übriges dazu bei, dass sich nahezu jeder Gast zumindest vorübergehend auf Deck befindet. Selbst einer der seltenen Glattwale zeigt sich kurzfristig.

Hierzu passend erläutert Wolfgang Wenzel in seinem Vortrag Seevögel der südlichen Breiten sowohl die Blauaugenkormorane wie auch die übrigen Seevogelarten, die bereits gesichtet wurden oder möglicherweise in den kommenden Tagen noch gesichtet werden. Wenig später folgt Ingo Heidbrink mit seinem Vortrag zur Walfanggeschichte in dem er erläutert, wie und warum diese Tiere zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch in den antarktischen Gewässern bis an den Rand der totalen Vernichtung gebracht wurden. 


Um 18:30 Uhr gibt Expeditionsleiter Arne Kertelhein eine Vorschau auf das Programm der kommenden zwei Tage. Tage, die randvoll mit unterschiedlichsten Aktivitäten gefüllt sein werden, um Südgeorgien in seiner ganzen Vielfalt kennen 

lernen zu können. 

Montag, 9. Dezember 2019 (Fortuna Bay, Stromness, Grytviken - Südgeorgien) 

Am frühen Vormittag ist die Fortuna Bay auf Südgeorgien erreicht und die bei einem schnellen Stopp werden die Wanderer in der Fortuna Bay Land gesetzt, die sich auf den Weg machen wollen, um den letzten Teil der Strecke von Shackleton’s legendärer Überquerung Südgeorgiens selber zu erwandern. 

Während die HANSEATIC nature sich auf den Weg zur Walfangstation Stromness macht, beginnen die Wanderer mit einem recht steilen Aufstieg die insgesamt knapp sieben Kilometer lange Tour, die sie ebenfalls nach Stromness führen wird. Allerdings wird es während der Wanderung zwar auch faszinierende Ausblicke geben, doch vor allem bietet sich die Gelegenheit, einen kleinen Eindruck von der Hochgebirgswelt des inneren Südgeorgiens zu erhalten. 

54°05,6′ S

036°41,1′ W

4 °C 

Sonnenaufgang: 03:49 

Sonnenuntergang: 20:49 

Während die Wanderer sich auf den Weg über den rund 300 m über dem Meeresspiegel gelegenen Pass machen passiert das Schiff die ehemalige Walfangstation Leith und von Deck aus lässt sich bereits hier erkennen, wie diese Industrie ehemals ausgesehen hat. Wenig später heißt es in Stromness in unmittelbarer Nähe der dortigen Walfangstation an Land zu gehen, was sich allerdings angesichts der großen Zahl von Pelzrobben als eine ziemliche Herausforderung erweist. 

Nach einiger Zeit findet sich schließlich ein Pfad über den Strand, der nicht vollständig von Pelzrobben belagert ist und es kommt zur ersten Begegnung zwischen den Passagieren und den neugierigen und gelegentlich auch aggressiv erscheinenden Tieren. Sobald der unmittelbare Strandbereich verlassen ist lässt auch die Dichte der Tiere nach und sie können in Ruhe aus der notwendigen Distanz beobachtet 

werden. Es ist Frühling auf Südgeorgien und damit auch die Zeit in der die Pelzrobben ihren Nachwuchs bekommen. Zahllose, nur wenige Tage zuvor geborene, Pelzrobben und selbst eine Geburt sind zu sehen, und selbstverständlich auch die Skuas die auf eine gute Gelegenheit hoffen eines der Neugeborenen in einem unbeobachteten Moment ergreifen zu können oder auch nur die Nachgeburt abzugreifen. Vom Strand aus kann dann auch den Wanderern entgegen gelaufen werden und es ist auch von dieser Seite aus möglich, bis zum Shakleton Wasserfall zu gelangen. Schließlich heißt es, Abschied von dieser Landestelle zu